59 km Weltkulturerbe. Der Limes im Ostalbkreis.

Einst trennte der Obergermanisch-Raetische Limes zwei völlig unterschiedliche Welten: die Hochkultur der Römer und die Stämme der Germanen. Seit 2005 ist der Limes UNESCO-Weltkulturerbe. 59 km des 550 km langen römischen Grenzwalls ziehen sich durch den Ostalbkreis. Seine an zahlreichen Orten bewahrten Zeugnisse der römischen Vergangenheit gehören zu den bedeutendsten Denkmalstätten Deutschlands.

Römische Kultur zum Greifen nah

Um das Jahr 85 nach Christus wurde die Ostalb von den Römern erobert, doch erst etwa 70 Jahre später begannen die Römer mit dem Bau einer durchgehenden Grenzsicherung: dem Limes. Palisaden, Türme, eine steinerne Mauer und Kastelle sicherten als Überwachungs- und Sperranlagen den Grenzverlauf. Knapp 60 Kilometer des nach der chinesischen Mauer längsten Bodendenkmals der Welt verlaufen durch den Ostalbkreis. An mehreren Orten in der Region wird in den Funden und beeindruckenden Nachbauten von Kastellen, Türmen, Mauern und einem Prunktor die Geschichte der großen römischen Kultur greifbar.

Reiterkastelle und das Limestor

In Aalen gründeten die Römer das größte Reiterkastell nördlich der Alpen. Auf dem Kastellgelände zeigt das Limesmuseum, eines der bedeutendsten Römermuseen Deutschlands, spektakuläre Originalfundmilitärischen und zivilen römischen Lebens.

www.limesmuseum.de

Der prunkvolle Bogen des Limestors in Dalkingen erinnert an den Sieg von Kaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus, genannt Caracalla, über die Germanen. Und versinnbildlicht gleichsam einen seiner Ehrentitel: „Germanicus Maximus“
(Größter Germanenbezwinger).

Relikte der Römerzeit

Weitere Höhepunkte römischer Militärarchitektur sind die am Bucher Stausee, in Halheim und beim Schirenhof Schwäbisch Gmünd erhaltenen antiken Reste von Kastellen. Hunderte Soldaten waren hier
stationiert. Im Limespark Rainau können heute neben dem Limestor noch die Relikte eines Römerbades und eines Gästehauses besichtigt werden. Die Limes-Cicerones lassen als Gästeführer für interessierte Besucher die ehemalige römische Grenzanlage aus den heute noch sichtbaren Resten
wieder im Geiste auferstehen.

PER RAD ZU DEN RÖMERN

Der Deutsche Limes-Radweg folgt
über gut 800 Kilometer Länge
zwischen Rhein und Donau dem
ehemaligen römischen Grenzwall.
Auch im Ostalbkreis kann man ein
Teilstück der Strecke fahren, etwa
von Lorch über Schwäbisch Gmünd
nach Aalen und weiter nach Rainau,
Halheim und Stödtlen.

Die Freilichtanlage Keltischer Fürstenhof am Ipf in Bopfingen. Foto: projektteam – Hendrik Mzyk

Frühe Macht in Mitteleuropa. Keltische Hochkultur.

Kelten, Römer und Alamannen lösten sich – meist alles andere als friedvoll – in der Besiedlung des Landes zwischen Rems und Ries ab. Sie hinterließen reiche archäologische Spuren: Hunderte von keltischen Grabhügeln finden sich in den großen Waldgebieten, riesige Wallanlagen belegen die Autorität ihrer Oberschicht. Auf dem Ipf bei Bopfingen schufen die Kelten ein frühes Zentrum der Macht in Mitteleuropa, wohl einer der bedeutendsten Fürstensitze nördlich der Alpen. Amphoren und Luxusgüter erzählen von weitreichenden Kontakten in den mediterranen Raum, von einem extravaganten Lebensstil. Am Fuße des Ipfes steht heute die Freilichtanlage Keltischer Fürstenhof als Rekonstruktion der Siedlung. Die Römer teilten schließlich das keltische Hoheitsgebiet – diagonal durchschneidet der Limes das einstige Land der Kelten und spätere Kreisgebiet.

Goldblattkreuze und Wurfäxte. Die Zeit der Alamannen.

Nur rund 100 Jahre nach Errichtung des Limes überrannten dann die Alamannen den Grenzwall und warfen die Römer auf die Donaugrenze zurück. Trotzdem hinterließen fast 200 Jahre alamannischer Anwesenheit kaum Spuren. Erst mit Einsetzen der Reihengräberbestattung wird die alamannische Besiedlung des Landkreises fassbar.

Wertvolle Grabbeigaben, Schmuck und Waffenfunde aus den Gräberfeldern u.a. in Lauchheim, Neresheim, Bopfingen und Kirchheim veranschaulichen heute im Ellwanger Alamannenmuseum das Leben dieser Bewohner der Ostalb.

Geschichte eindrucksvoll gemalt: das Stauferrundbild im Kloster Lorch. Foto: Stadt Lorch

Städte und Klöster. Glanz und Macht der Staufer.

Mit dem Aufstieg der wohl aus dem Ries stammenden Staufer begann eine glanzvolle Epoche für die Gegend um Aalen und Schwäbisch Gmünd, die zum Kernbereich
der staufischen Macht gehörte. Zahlreiche Städte, Burgen und Klöster wurden in dieser Zeit gegründet, wie die älteste Stauferstadt Schwäbisch Gmünd oder das Kloster
Lorch. Vor genau 850 Jahren, im Jahr 1168, zog Kaiser Barbarossa mit seinem Gefolge in Gmünd ein. In Bild gefasst ist die beeindruckende Geschichte des Herrschergeschlechts im mächtigen Stauferrundbild im Kloster Lorch. Die Darstellung beginnt mit der 1080 errichteten Burg Hohenstaufen und reicht über die Gründung des Klosters Lorch 1102 und Barbarossas Tod während des Kreuzzugs nach Jerusalem 1190 bis zum Ende der Staufischen Macht
mit der Enthauptung Konradins auf Sizilien 1268.

Fotos: Christian Frumolt (2)/Christina Nikolic (von oben nach unten)